Von Fehlsichten und geänderten Sichtweisen

Fehlsichtigkeit verschwommene Sicht, Sichtweise

Stell dir vor, du änderst deine Ansichten, wirst einsichtig und die Fehlsicht verschwindet… Ist so etwas möglich? Ist es möglich, sich nur vorzustellen, dass es möglich ist, seine Fehlsicht verschwinden zu lassen?

Anatomisch gesehen gibt es eine plausible Erklärung für deine Fehlsicht. Bestimmt hast du diese Erklärung schon vom Optiker oder Augenarzt gehört. Zusätzlich zur Erklärung wird immer noch erwähnt – und es ist nicht reversibel. Die Korrektur der Fehlsicht ist scheinbar genau so simpel: Die Sehhilfe, die Brille, die Linse korrigiert die Fehlsicht und wir sehen vermeintlich wieder klar und scharf. Was aber macht diese Krücke wirklich mit uns? Wir funktionieren weiter wie bisher – fehlsichtig. Sie macht, dass wir nichts ändern müssen, ausser die Brille oder Linse täglich oder immer wenn nötig zu tragen – was meist mit „täglich von früh bis spät“ definiert werden kann.

Hast du dir jemals überlegt, ob du diese Brille überhaupt tragen willst? Wer überlegt, was die Brille – oder die Fehlsicht?- mit uns macht? Hast du von einem Optiker oder Augenarzt schon mal gehört: In der Reha während 3-4 Monaten lernen Ihre Augen wieder ohne Krücken zu sehen, danach können Sie die Brille wieder zurückgeben“? Leider nicht. Man stellt uns in Aussicht, dass wir diese Krücken ein Leben lang brauchen werden. Vielleicht wird eine Operation empfohlen, das ist – scheinbar – die einzige Option für Brillenfreiheit – zumindest bis zur Altersichtigkeit.

Fehlsicht: Nehmen wir dieses Wort auseinander besteht es aus FEHLER UND SICHT. Fehler sind etwas FALSCHES. Wir sehen falsch. In der Regel heisst es, wir sollen aus Fehlern lernen. Im Falle der Fehlsicht, machen wir nicht. Wir kehren unsere Fehlsicht mit der Brille unter den Teppich. Mit Kontaktlinsen machen wir unsere Fehlsicht – unsere fehlerhafte Sicht (weise) unsichtbar. Sieht niemand, stört niemand, alles ist in Ordnung. Darum muss ich mich nicht kümmern.

Was passiert, wenn ich meine Fehlsicht ernst nehme? Sie ANSCHAUE? Daraus lernen will? Ich weiss, dass meine Augen gut genug sind, selber und ohne Krücken zu sehen. Nehmen wir als Beispiel Forest Gump: Mir fällt hier die Szene ein, wo er losrennt und seine „Krückenbeine“ in alle Himmelsrichtungen wegfliegen. Forest rennt und rennt. Er braucht die Krücken nicht mehr. Jetzt macht er, was im Spass macht. „Ich laufe. Wenn ich müde bin, dann schlafe ich, wenn ich Hunger habe, dann esse ich.

Lege doch mal deine Augenkrücken zur Seite – vorerst mal für einen Moment. Nur die Augen zu schliessen reicht nicht. Entferne die Linsen, ziehe die Brille aus, setze dich hin und tue weiter nichts. Nichts lesen, nicht mit dem Handy spielen, nichts hören. Einfach nur da sitzen – oder liegen und nichts tun.

Wie fühlt sich das an? Ist es angenehm oder eher beklemmend? Kommt vielleicht ein mulmiges Gefühl auf? Etwas, das hier hinter den Gläsern oder Linsen lauert, sich versteckt, Angst davor hat, raus zu kommen? Etwas, das Angst hat davor, sich zu zeigen? Etwas, das Angst macht? Denkst du vielleicht, das darf niemand sehen, davon darf niemand wissen? Ein fehlerhaftes ICH, das unter keinen Umständen raus darf in diese genormte Welt.

ANGST… Kann ich mich dieser Angst stellen? Es ist bestimmt einfacher, die Brille nun wieder anzuziehen. Was passiert aber, wenn ich nun – ohne Brille – ganz genau hinschaue, hinfühle? Was passiert, wenn ich tiefer in dieses Gefühl eintauche, es frage wo es herkommt? Was passiert, wenn ich frage, was ich selber tun kann, dass es sich in Liebe oder Freude verwandeln kann?

LAUSCHE oder SEHE ich in der Verschwommenheit, was sie mir zu sagen hat und was sie braucht, bin ich der Klarheit schon ein gewaltiges Stück näher.

Ist dir die Angst zu gross oder zu unheimlich?
In einer Einzelberatung begleite ich dich gerne in die Tiefen deiner Verschwommenheit hinein in mehr Klarheit.

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